# Über die Zukunft von Oberfranken

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- Veröffentlicht: 2023-10-05T00:00:59+02:00
- Autor: admin

**Als Mitglied im Nachhaltigkeitsforum Ihrer Bank haben Sie dazu beigetragen, regionale
Lebensmittel in der Kantine zu bringen. Welche Herausforderungen gab es bei der 
Umsetzung dieser Initiative?**

Ralf Reusch: In der Regel haben große Caterer überregionale Einkaufsvereinbarungen
und setzen damit günstige Preise durch. Dennoch konnten wir unseren lokalen Ansprechpartner
des Caterers davon überzeugen, dass z.B. unsere Milchprodukte von einer lokalen 
Molkerei bezogen werden. Die gilt auch für Back- und Fleischwaren hier wurde jeweils
eine mittelständische Bäckerei und Metzgerei vor Ort gefunden. Diese konnte sogar
vertraglich vereinbart werden.

**Kurze Wege zum Verbraucher sind für Sie ein entscheidendes Kriterium. Welche Vorteile
sehen Sie in der Unterstützung von lokalen Landwirten und regionalen Lebensmittelproduzenten?**

Ralf Reusch:Als umweltbewusster Betriebswirtschaftler sehe ich hier zunächst die
günstige Ökobilanz, die auf kurzen Transportwegen beruht. Natürlich auch die Frische
der Produkte frei nach dem Motto „vom Acker auf den Teller“. Auch spielen Emotionen
mit, wenn ich den Produzenten und den Landstrich, auf dem meine Lebensmittel gewachsen
sind, kenne.

**Redaktionelle Einordnung:** Die genannte günstige Ökobilanz ist eine Einschätzung
des Interviewpartners. Kurze Transportwege allein belegen keine bessere Gesamtumweltbilanz;
Erzeugung, Lagerung, Transportmittel und Auslastung sind ebenfalls zu berücksichtigen.
Für die hier angesprochenen Produkte wird keine vergleichende Lebenszyklusbilanz
vorgelegt.

![Bunte Karotten](https://www.regionalwert-franken.de/fileadmin/_processed_/c/c/
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**Das saisonale Angebot von Lebensmitteln ist für Sie eine Selbstverständlichkeit.
Wie können Verbraucher dazu ermutigt werden, sich bewusster für saisonale und regionale
Produkte zu entscheiden?**

Ralf Reusch: Wenn man beim Einkauf auf das Herkunftsland achtet und sich den Transportweg
vor Augen führt, sollte dies Ermutigung genug sein. Spargel aus Peru, der entweder
per Flugzeug oder Schiff zu uns kommt, kann nicht die erste Wahl sein. Aus meiner
Sicht ein sehr zweifelhafter Genuss.

**Welche Bedeutung hat die Gemeinschaft und die Zusammenarbeit zwischen Verbrauchern,
Produzenten und Unternehmen, um die regionale Lebensmittelversorgung zu stärken?**

Ralf Reusch: Als einen großen Vorteil sehe ich an, dass Produzenten mit Verbrauchern
kommunizieren und somit die tatsächliche Nachfrage in den Fokus rückt.

![](https://www.regionalwert-franken.de/fileadmin/_processed_/1/e/csm_footerbg_e3d190def2.
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**Die Regionalwert AG Franken unterstützt Betriebe der regionalen Land- und Lebensmittelwirtschaft.
Welche langfristigen Vorteile sehen Sie für die Region und die Gesellschaft auch
in betriebswirtschaftlicher Sicht insgesamt, wenn diese Ziele erreicht werden?**

Ralf Reusch: Ich bin der festen Überzeugung, dass nur eine ökologische und nachhaltige
Landwirtschaft die Qualität der Lebensmittel erhält und fördert. Wenn es gelingt
eine regionale Vermarktung mit fairen Preisen zu etablieren, kann die Region nur
davon profitieren. Landwirtschaftliche Flächen werden dann auch wieder wertvoll 
und fallen nicht dem Flächenfraß für Logistikzentren oder Gewerbegebieten zum Opfer.

![](https://www.regionalwert-franken.de/fileadmin/_processed_/3/1/csm_csm_photo6044141402616607288_2bfdee8f02__2__b4224a9856.
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**Die Regionalwert AG Franken ist keine „normale“ Aktiengesellschaft. Menschen und
Unternehmen können Aktien zeichnen, um Projekte in der Region mitzufinanzieren. 
Wie unterstützt die Initiative bei der Finanzierung regionaler Lebensmittelversorgung,
wenn klassische Bankkredite nicht möglich sind?**

Ralf Reusch: Die Regionalwert AG Franken prüft zunächst Ideen und Projekte und unterstützt
dann insbesondere mit dem Know-how ihrer Vorstände. Bei einer wirtschaftlichen Tragfähigkeit
finden wir in der Regel die passende Unterstützung mit unseren Investitionen. Dies
können Mietmodelle oder auch direkte Beteiligungen sein.

**Wie können Finanzdienstleister insgesamt dazu beitragen, nachhaltige Praktiken
und regionale Lebensmittelversorgung zu fördern? Ist ein Kurswechsel von Rendite
zu Nachhaltigkeit überhaupt möglich?**

Ralf Reusch: Hier bin ich als Banker zuversichtlich, dass dies gelingen wird. Geldanlagen
werden seit geraumer Zeit hinsichtlich der ESG-Kriterien beurteilt und eingestuft.
Die Kleinanleger, aber auch professionelle Investoren, achten verstärkt darauf, 
welche Auswirkungen die Investitionen auf die Kriterien ‚Umwelt‘ und ‚Soziales‘ 
haben. Ebenso steht die ‚Unternehmungsführung‘ im Fokus. In puncto Nachhaltigkeit
sind die Anleger bereit auf Rendite zu verzichten. Auf der Unternehmensseite besteht
hier leider noch Nachholbedarf.

![](https://www.regionalwert-franken.de/fileadmin/_processed_/f/7/csm_Aufsichtsrat_7_f1c1b72d01.
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**Ralf Reusch**, geboren 1963, Industriekaufmann und Dipl.-Betriebswirt (FH), lebt
seit 2003 mit seiner Familie in Oberfranken. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der
Finanzdienstleistungsindustrie in einer Spezialbank in Hof tätig und verantwortlich
für die Betreuung von institutionellen Kunden. Als Mitglied im Nachhaltigkeitsforum
der Bank bringt er seine gesellschaftspolitischen und ökologischen Überzeugungen
auch im beruflichen Umfeld ein. Eine Initiative war z.B. den Kantinenbetreiber zu
verpflichten, nur regional produzierte Lebensmittel zu verwenden. Was liegt da näher,
als dass er sich auch ehrenamtlich als Aufsichtsrat mit seiner betriebswirtschaftlichen
Expertise in das Aufsichtsratsteam der Regionalwert AG Franken einbringt. Ralf Reusch
bevorzugt Lebensmittel mit nachvollziehbarer regionaler Herkunft und Produktionsweise
und die kurzen Wege zum Verbraucher das entscheidende Kriterium. „Das saisonale 
Angebot von Lebensmitteln ist für mich im doppelten Sinn eine natürliche Selbstverständlichkeit.
Spargel und Erdbeeren kann ich nicht im Winter genießen und so erfreue ich mich 
an der jahreszeitlichen Abwechslung.“
